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Akute Verwirrung nach der OP

Eine Operation ist für alle Menschen aufregend. Je älter ein Patient ist, desto größer wird die Gefahr eines Delirs. Im Klinikverbund St. Antonius und St. Josef Wuppertal wurden deshalb Standards entwickelt, um dieses Risiko so weit wie möglich zu minimieren.

Bei einem Delir sind die Patienten nach der Operation verwirrt, sie haben Wahrnehmungsstörungen und verhalten sich entweder sehr unruhig oder auffällig still und teilnahmslos. Häufig sind sie außerdem nachts hellwach und schlafen dafür am Tag. Manchmal hält dieser Zustand nur ein paar Stunden an, manchmal aber auch Tage oder Wochen. „Patienten mit einem Delir müssen oft länger im Krankenhaus bleiben“, erklärt Dr. Christian Adam, Chefarzt für Anästhesie, Intensiv- und Schmerztherapie des Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef Wuppertal. Mit seinem Team hat er deshalb Standards entwickelt, um die Gefahr eines Delirs zu mindern.

Patienten können selbst vorbeugen

Außerdem können die Patienten selbst vorbeugen, indem sie sich gut und vielseitig ernähren und genügend trinken. „Alle Körperfunktionen sollten ausgeglichen sein“, empfiehlt Dr. Adam. Bis zu zwei Stunden vor der Operation sollten die Patienten noch Wasser trinken, ebenso bald nach der OP. Wert legt der Arzt auch darauf, dass Patienten mit allen Hilfsmitteln wie Brille, Hörgerät und Zahnprothese zu ihm kommen. Direkt im Aufwachraum erhalten sie diese dann wieder, damit sie sich orientieren können. „Wir sprechen die Patienten auch immer wieder persönlich an, erklären ihnen notfalls die Situation und beruhigen sie“, erklärt Dr. Adam. Der Patient soll sich sicher und gut aufgehoben fühlen. Gleichzeitig achtet das Personal darauf, dass es nicht zu laut wird im Raum. Eine Lärmampel hilft dabei.

Lokale Betäubung statt Vollnarkose

Für die Operation verwendet der Anästhesist so häufig wie möglich regionale (lokale) Anästhesieverfahren statt einer Vollnarkose. Wenn die Patienten wach und schmerzfrei bleiben, sinkt das Risiko eines Delirs. Schmerzprävention ist Dr. Adam wichtig, etwa beim Umlagern verletzter Patienten vor der OP. So oft wie möglich verzichten die Ärzte auf Schläuche wie Blasenkatheter oder Drainagen, die von vielen Patienten als störend empfunden werden. Wenn sich Angehörige direkt nach der Operation um die Patienten kümmern können, hilft das ebenfalls sehr bei der Vermeidung eines Delirs. „Möglichst viel Alltag“, wünscht sich Dr. Adam. Angehörige können von Alltagserlebnissen oder Freunden erzählen, das vertraute Lieblingskissen mitbringen oder Familienfotos aufstellen. Gewohnheiten wie das Lesen der Tageszeitung oder das Schauen einer bestimmten Fernsehsendung helfen ebenso dabei, in die Realität zurückzufinden. Das Pflegepersonal versucht, die frisch Operierten möglichst schnell in einen Tag-Nacht-Rhythmus zu bringen. Nachts soll in den Zimmern Ruhe herrschen, tagsüber mobilisieren sie die Patienten.

Auch Erkrankungen können zum Delir führen

Manchmal tritt ein Delir jedoch auch ohne Operation auf. „Hintergrund ist meistens eine Erkrankung“, erklärt Prof. Dr. Annette Welz-Barth, Chefärztin der Klinik für Geria-trie und Geriatrische Rehabilitation am Petrus-Krankenhaus. „Das kann eine Lungenentzündung sein, ein schwerer Durchfall oder auch nur eine Wunde.“ Nur durch ausführliche Tests sei solch ein Delir von einer Demenzerkrankung zu unterscheiden. Dabei sind Angehörige hilfreich, die Verhaltensänderungen der Betroffenen sensibel wahrnehmen. Auch bei der Stabilisierung des Patienten können die Angehörigen viel bewegen, etwa mit Fotobüchern, Gesprächen oder einer Lieblingsmusik. Nach der Diagnose können die Ärzte medikamentös gut einwirken; manchmal halten Erinnerungslücken oder Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis jedoch bis zu drei Monate an.

Chefarzt
Dr. Christian Adam, MHBA, DESA
Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin Taucherarzt (GTÜM e.V.), ATLS-Provider, Qualifikation Leitender Notarzt, Qualifikation Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, DEGUM-Stufe I für das Gebiet Anästhesiologie

Petrus-Krankenhaus
Carnaper Straße 48
42283 Wuppertal-Barmen

St. Anna-Klinik
Vogelsangstraße 106
42109 Wuppertal-Elberfeld

Tel.: 0202 299-2500
E-Mail: anaesthesie@kh-petrus.de

Chefärztin
Prof. Dr. Annette Welz-Barth
Fachärztin für Innere Medizin, Klinische Geriatrie, Physikalische Therapie und Balneologie, Psychosomatische Grundversorgung, Geriatrische Rehabilitation

Krankenhaus St. Josef
Bergstraße 6-12
42105 Wuppertal-Elberfeld

Petrus-Krankenhaus
Carnaper Straße 48
42283 Wuppertal-Barmen

Tel.: 0202 299-2403
E-Mail: geriatrie.kh-petrus@cellitinnen.de