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Antibiotika im Krankenhaus

Der sorglose Umgang mit Antibiotika wird immer wieder kritisiert. Wie gehen die Häuser des Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef mit dem Thema um? Simone Pillekamp, Apothekerin und Antibiotika-Expertin des Verbundes, erklärt es im Gespräch mit Vitamin W:

Die Antibiotika-Richtlinie – was versteht man darunter?

Simone Pillekamp: Das deutsche Infektionsschutzgesetz für Krankenhäuser nennt Vorgaben und Richtlinien zur Antibiotika-Gabe. Bei uns ist es seit Jahren gelebter Alltag, dass die Ärzte mit den Antibiotika-Richtlinien arbeiten. Das ist eine Übersicht von Behandlungsmaßnahmen für bestimmte Krankheiten, die jeder Arzt in seiner Kitteltasche hat. Sie enthält Informationen zu Erregern, Diagnosen, Therapiemöglichkeiten und zur Therapiedauer.

Gibt es weitere Richtlinien für die Gabe von Antibiotika?

Simone Pillekamp: Sowohl die Ärzte als auch wir Apotheker legen großen Wert darauf, Antibiotika nur zu geben, wenn es tatsächlich nötig ist. Oft erwarten die Patienten aber bei einer bestimmten Diagnose ein Antibiotikum. Da besteht Aufklärungsbedarf, denn auch wenn bei der Nachbarin die gleichen Symptome mit einem Antibiotikum behandelt wurden, heißt das noch lange nicht, dass auch in diesem Fall eine Antibiotikum-Gabe erforderlich ist.

Was fragen Patienten am häufigsten zum Thema Antibiotika?

Simone Pillekamp: Warum wirken Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen, nicht aber bei Virusinfektionen, ist die häufigste Frage. Bakterien sind eigene Lebewesen mit Zellwand und Stoffwechsel, darauf können Antibiotika einwirken. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, somit fehlt für Antibiotika der Angriffspunkt.

Heute gibt es die multiresistenten Keime, gegen die bekannte Antibiotika nicht mehr helfen. Welche Rolle spielen diese Keime im Krankenhaus-Alltag?

Simone Pillekamp, Apothekerin im Klinikverbund St. Antonius und St. Josef
Simone Pillekamp, Apothekerin im Klinikverbund St. Antonius und St. Josef

Simone Pillekamp: Resistenzen entstehen zum einen durch die unbedachte Gabe von Antibiotika, zum anderen nehmen wir Antibiotika-Rückstände auch über die Nahrung auf. Patienten, die sich mit multiresistenten Keimen infiziert haben, bringen diese häufig bereits ohne es zu wissen mit ins Krankenhaus. Daher machen wir ein gezieltes Screening bei der Aufnahme. Wir fragen die Patienten beispiels-weise, ob sie in den vergangenen Monaten bereits im Krankenhaus waren oder bestimmte Urlaubsländer besucht haben etc. Dann wird ein Abstrich gemacht, und betroffene Patienten werden gezielt behandelt.

Welche Maßnahmen gibt es noch?

Simone Pillekamp: Wir bilden in allen Häusern sogenannte ABS-Teams. Das steht für „Antibiotic Stewardship“ und meint eine Fortbildung zum Antibiotika-Experten für Ärzte als auch Apotheker. Wir haben bereits in allen Häusern entsprechend fortgebildete Kollegen. Ziel ist es, für jede Fachabteilung einen Experten zu haben, so dass vor allem bei seltenen Infektionen Fachteams bereit stehen.