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Die „Gelben Engel“ vom Kapellchen

Ursula Mauroschat ist seit 1981 ein „Engel ohne Flügel“.

Eine schöne heiße Tasse Tee, die Lieblings-Rätselzeitschrift, ein geschnittenes Frühstücks-Brötchen – oft sind es Kleinigkeiten, die helfen. Und Reden hilft natürlich. Dafür sind die Gelben Damen an den Wochentagen vormittags im Krankenhaus St. Josef unterwegs.

Manchmal empfehlen ihnen die Schwestern, welche Patientin, welcher Bettlägerige sich über einen Besuch freuen würde. Oft kommen die Ehrenamtlerinnen jedoch einfach ins Zimmer und stellen sich vor. An den gelben Kitteln sind sie leicht erkennbar. „Engel ohne Flügel“ nennen viele sie. Denn gerade älteren Menschen erleichtern sie den Krankenhausaufenthalt. „Man bewirkt etwas, wenn man jemanden zum Lachen oder Lächeln bringt“, ist Edeltraud Abrego überzeugt. Deshalb mag sie ihren Dienst am Freitagvormittag im „Kapellchen“.

Die neuen Leiterinnen der Gelben Damen: Marita Wahle…

Gesprächsthemen findet sie immer: Mit dem einen redet sie über Geschichte, mit der nächsten über das Essen, über das Wetter und natürlich auch über die Krankheit. „Ich habe den Eindruck, dass oft in den Familien nicht mehr gesprochen wird“, sagt Edeltraud Abrego. Bei der Antwort „gut“ fragt sie immer nach, wie es dem Kranken wirklich geht. „Und dann sprudelt es oft“, ist ihre Erfahrung.

Schöne und sinnvolle Aufgabe

Viele Lebensgeschichten erfahren die Gelben Damen, sie hören Lobeshymnen auf die Kinder oder kriegen den Ärger über zerstrittene Familien mit. Auch die Herkunft der Patienten spiele eine große Rolle, erzählen die Ehrenamtlerinnen: „Wer in einem engen Familienverband lebt, fühlt sich im Krankenhaus schnell einsam.“ Immer wieder springen die Gelben Damen in kleinen Notfällen ein: Die Zahnpasta ist leer, ein Patient wurde spontan eingeliefert und hat keine Nachtwäsche, eine Brille muss repariert werden. Glücklicherweise gibt es in der Umgebung des Krankenhauses

…und Edeltraud Abrego.

viele Geschäfte. „Die Schwestern haben für so etwas keine Zeit, es gehört ja auch nicht in ihren Dienstplan“, erklärt Ursula Mauroschat. Sie gehört bereits seit 1981 zu den Gelben Damen und hat das Team viele, viele Jahre lang geleitet. Jetzt übergibt sie die Gruppe, zu der inzwischen auch ein Mann gehört, an ihre Nachfolgerinnen Marita Wahle und Edeltraud Abrego.

In den fast 40 Jahren ihres Ehrenamts hat sich einiges verändert: Früher hätten sie eng mit den Borro-mäerinnen (die Schwestern des Gründungsordens, die in St. Josef auch im Pflegedienst waren) zusammengearbeitet und regelmäßig mit dem Krankenhauspastor zu Mittag gegessen, erinnert Ursula Mauroschat sich. „Wir haben uns auch oft getroffen und über religiöse Themen gesprochen.“ Heute sei das Team mit rund zehn Gelben Damen deutlich kleiner. Einmal im Monat fahren einige von ihnen nach Köln, wo es Vorträge zu Themen wie „Demenz“, „Grenzen anerkennen“ oder „Umgang mit Angst“ gibt. Auch wenn manche Gespräche belasten, gehen die Gelben Damen meistens sehr zufrieden nach Hause. „Es ist eine schöne, sinnvolle Aufgabe“, betont Ursula Mauroschat.