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Frauenherzen schlagen anders

Herzerkrankungen werden immer noch häufig als ein typisches Männerproblem angesehen. Dabei treten die koronare Herzerkrankung, eine Verengung der Blutgefäße des Herzens, und der Herzinfarkt in Deutschland bei Frauen mittlerweile fast so häufig wie bei Männern auf. Das Tückische: Die Symptome sind bei Frauen häufig untypisch und werden von den Betroffenen daher oft falsch eingeschätzt. Vitamin W sprach mit Dr. Nina Berchem, Ärztliche Leiterin des MVZ Medi-Wtal II Kardiologie und Pneumologie, über die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen.

Wie unterscheiden sich Männer und Frauen, wenn es ums Herz geht?

Dr. Nina Berchem: Es existieren bemerkenswerte Unterschiede auf morphologischer und physiologischer Ebene zwischen Frauen- und Männerherzen. Diese bedingen, dass Frauen- und Männerherzen anders erkranken und gesunden. Frauen sind im Durchschnitt rund zehn Jahre älter als Männer, wenn eine koronare Herzerkrankung bei ihnen festgestellt wird. Vor den Wechseljahren wirken sich die weiblichen Hormone schützend auf die Herzkranzgefäße aus. Mit der sinkenden Östrogenproduktion ändert sich das jedoch. Bei Frauen sind dann häufiger die kleinen, fein verästelten Gefäße des Herzens betroffen und sie leiden häufiger als Männer an Verkrampfungen der Herzkranzarterien.

Gibt es Unterschiede bei den Symptomen?

Dr. Nina Berchem: Die koronare Herzkrankheit macht sich meist durch ein Engegefühl oder Schmerzen auf der Brust, zum Teil mit Ausstrahlung in den linken Arm und/oder den Kiefer bemerkbar. Zudem verspüren Betroffene häufig Atemnot, gerade bei körperlicher Belastung. Diese Beschwerden werden als Angina pectoris bezeichnet. Frauen weisen häufiger als Männer untypische Beschwerden auf, zum Beispiel Rücken-, Schulter- und Oberbauchschmerzen. Auch eine allgemeine Schwäche, Übelkeit und Erbrechen können Warnzeichen für eine Durchblutungsstörung am Herzen sein. Die Frauen vermuten aber bei diesen Beschwerden als Ursache nicht unbedingt eine Erkrankung des Herzens.

Haben Frauen andere Risikofaktoren?

Dr. Nina Berchem: Für Frauen und Männer stellen gleichermaßen der Bluthochdruck, das Rauchen, der Diabetes, eine Fettstoffwechselstörung sowie Übergewicht und eine genetische Veranlagung hohe Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung dar. Jedoch haben die Risikofaktoren bei Frauen und Männern eine unterschiedliche Gewichtung. Zum Beispiel erhöht Diabetes bei Frauen das Risiko für eine koronare Herzerkrankung deutlich stärker als bei Männern. Außerdem spielt die Menopause eine entscheidende Rolle. Die Hormonveränderungen gelten bei Frauen als erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.

Was können Frauen tun, um sich besser zu schützen?

Dr. Nina Berchem: Wie Männer sollten auch Frauen vorbeugen, indem sie auf ihre Herzgesundheit achten. Dazu zählen unter anderem eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Außerdem sollten sie die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und ihren Blutdruck, den Blutzucker und ihre Blutfette regelmäßig kontrollieren lassen. Bei ungewöhnlichen Schmerzen sollten Frauen wie Männer unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

 

Dr. Nina Berchem
MVZ Medi-Wtal II (Kardiologie und Pneumologie)

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