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Knackpunkt Gelenke

Nicht immer ist eine Prothese die richtige Lösung

Immer wieder wird der Vorwurf laut, dass zu schnell ein künstliches Gelenk eingesetzt werde. Vitamin W sprach mit Dr. Cordier, Chefarzt der Klinik für Orthopädie am Krankenhaus St. Josef, überregionales Zentrum für Endoprothetik (Maximalversorgungszentrum), über das Thema.

Vitamin W: Werden bei Gelenkproblemen zu oft Prothesen eingesetzt?

Dr. Cordier: Nein, tatsächlich ist es so, dass in den letzten zwei Jahren in Deutschland die Zahl der implantierten Hüft- und Knie-Endoprothesen rückläufig ist. Mit unserem „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ legen wir besonderen Wert darauf, alle gelenkerhaltenden Maßnahmen auszuschöpfen, denn Gelenkerhalt geht, wo immer sinnvoll, vor Gelenkersatz.

Vitamin W: Wieviele Patienten versorgen Sie durchschnittlich in Wuppertal?

Dr. Cordier: Wir versorgen jährlich etwa 1000 Patienten mit Hüft-, Knie- und Schultergelenk-Endoprothesen. Unsere große Routine in allen Abläufen kommt der Qualität der endoprothetischen Eingriffe und damit der Sicherheit unserer Patienten messbar zugute. Wenn man qualitativ eine überdurchschnittliche Leistung bieten möchte, dann muss man diese auch entsprechend routiniert erbringen. Nur so kann man den notwendigen Erfahrungsschatz als operatives überregionales Zentrum aufbauen.

Vitamin W: Wie kann man erkennen, ob eine Prothese benötigt wird oder nicht?

Dr. Cordier: Ob eine endoprothetische Versorgung notwendig ist, hängt vom Grad des Verschleißes ab. Häufig sind nur bestimmte Bereiche des Gelenkknorpels abgenutzt, besonders bei Patienten mit Kniearthrose durch ausgeprägte Fehlstellungen, also X- oder O-Beine.

Vitamin W: Was passiert medizinisch in diesen Fällen?

Dr. Cordier: In vielen Fällen können wir mit einer Begradigung der Beinachse dafür sorgen, dass die bislang stark belasteten Bereiche des Gelenks entlastet werden und die Arthrose weniger schnell fortschreitet. Durch eine solche Umstellungsoperation kann der Einsatz einer Knieprothese hinausgezögert und manchmal sogar gänzlich vermieden werden.

Vitamin W: Gibt es diese Art der OP auch für andere Gelenke?

Dr. Cordier: Einen ganz ähnlichen Eingriff führen wir als -eines der wenigen hochspezialisierten Gelenkzentren in Europa auch an der Hüfte durch. Bei der 3-fach-Becken-osteotomie wird das Hüftpfannendach operativ so umgestellt, dass eine mangelhafte Überdachung des Hüftkopfes korrigiert wird. Eine unerkannte oder unbehandelte Hüftdysplasie gilt heute als eine der Hauptursachen für eine Hüftarthrose, insbesondere bei Frauen.

Vitamin W: Ersetzt dieser Eingriff die Hüftprothese?

Dr. Cordier: Mit der 3-fach-Beckenosteotomie können wir viele Hüftprothesen langfristig verhindern. Natürlich beherrschen wir neben diesen Eingriffen, die Fehlstellungen korrigieren, auch alle minimal-invasiven Techniken der Endoprothetik. Wie zum Beispiel den minimal-invasiven Hüftzugang zur Behebung eines Hüftimpingements (Bewegungseinschränkung) sowie verschiedene weitere muskel-schonende OP-Techniken zum Protheseneinbau.

Vitamin W: Wenn doch einmal eine Prothese eingesetzt werden muss, welche würden Sie Ihren Patienten empfehlen?

Dr. Cordier: Die „beste“ Prothese gibt es nicht. Wir schauen- immer auf die individuelle Situation des Patienten, das Ausmaß der Erkrankung, seinen Allgemeinzustand und sein Alter. Eine wichtige Rolle spielen auch seine persönlichen Ansprüche an die Mobilität. Die Qualität der Versorgung hängt letztlich nicht von einem bestimmten Prothesen-modell ab, sondern von der Erfahrung und dem Können des orthopädischen Chirurgen.

Dr. Wolfgang Cordier

Chefarzt
Dr. Wolfgang Cordier
Facharzt für Endoprothetik, Hüft- und Kniegelenkchirurgie

Krankenhaus St. Josef
Bergstraße 6-12
42105 Wuppertal-Elberfeld

Tel.: 0202 485-2501
E-Mail: ort.kh-josef@cellitinnen.de

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