Service

Mündige Patienten

Zum Therapieerfolg gehören immer zwei

„Es hilft, die Wahrnehmungsbrille des Patienten aufzusetzen und die Dinge aus seiner individuellen Sicht zu betrachten“, beschreibt Dr. Wolfgang Cordier eine wichtige Vorraussetzung für ein gutes Gespräch zwischen Arzt und Patient.

Der Chefarzt der Orthopädie, Endoprothetik, rekonstruktive Hüft- und Kniegelenkchirurgie und Kinderorthopädie am Krankenhaus St. Josef weiß aus seiner langjährigen Klinik-erfahrung, dass das gute Gespräch mit dem Patienten eine wichtige Rolle für den Verlauf der Behandlung spielt. Ob der Patient seine Therapie treu befolgt, die Medikamente pünktlich ein- und zusätzliche Behandlungsangebote wahrnimmt, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie gut sich Arzt und Patient verständigt haben.

Vitamin W wollte von dem erfahrenen Endoprothetiker mehr wissen über Reden und Zuhören im Sprechzimmer.

Chefarzt Dr. Wolfgang Cordier

Arzt und Patient. Ist die Chemie wichtig?

Dr. Wolfgang Cordier: Auf jeden Fall. Stimmt die Chemie zwischen beiden, gibt es ein vertrauensvolles Verhältnis. Dann werden u.a. Medikamente zuverlässiger eingenommen – das haben unterschiedliche Studien festgestellt. Verhaltensforscher sprechen von „Shared-Decision-Making“, das bedeutet übersetzt soviel wie: Gemeinsam treffen Arzt und Patient Entscheidungen. Man kann auch sagen, sie reden auf Augenhöhe miteinander.

Was spielt neben der Augenhöhe noch eine wichtige Rolle?

Dr. Wolfgang Cordier: Ehrlichkeit. Ja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ehrlichkeit sehr wichtig ist. Auch wenn die Wahrheit manchmal unbequem sein kann, ist sie in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient doch oberstes Gebot. Nur wenn wir den Patienten gut und umfassend informieren, geht er zuverlässig mit uns Ärzten den Behandlungsweg. Und der kann weitaus länger sein als jetzt nur die Operation und ein stationärer Aufenthalt.

Wie funktioniert gute Gesprächsführung im hektischen Klinikalltag?

Dr. Wolfgang Cordier: Das Patientengespräch ist unsere Kernaufgabe. Aber ja, ich gebe zu, im kurzlebigen Praxisalltag ist die Gesprächsführung oftmals nicht so einfach. Da ist es hilfreich, sich zu fokussieren, Fragen zu stellen und Fachbegriffe zu erklären. Zum Abschluss wende ich gern die Technik der offenen Fragen an, also Fragen, auf die man nicht nur mit Ja oder Nein antworten kann. Dadurch hat der Patient die Möglichkeit, Unklarheiten anzusprechen und Ängste zu artikulieren.

Welche Rolle spielt die individuelle Situation des Patienten?

Dr. Wolfgang Cordier: Das ist unsere Herausforderung als Arzt. Wir sehen ja täglich zig verschiedene Patienten. Es ist wichtig, dass wir uns auf jeden Einzelnen individuell einstellen, ihm zuhören, ihn annehmen.

Keine einfache Aufgabe!

Dr. Wolfgang Cordier: Klar, wir müssen uns anstrengen. Das ist unsere Aufgabe und wir schaffen das auch.