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Zeit zum Zuhören

Bereits seit 2001 gibt es am Petrus-Krankenhaus einen Palliativbereich. Die Patienten, die dort behandelt werden, leiden an unheilbaren Erkrankungen. Ute Rodriguez-Menendez ist Stationsleiterin des Palliativbereichs. Im Gespräch mit Vitamin W erklärt sie, was ihr in den Gesprächen mit ihren Patienten besonders wichtig ist.

Wie gehen Sie mit Patienten um, von denen Sie wissen, dass sie unheilbar erkrankt sind?

Ute Rodriguez-Menendez: Die Krankheitsverarbeitung ist so individuell wie der Patient selbst. Für mich ist zunächst einmal wichtig, was den Patienten nach der Diagnose beschäftigt. Häufig geht es erst um Fragen wie: Wie sage ich es meiner Familie? Warum kommen meine Freunde nicht mehr? Oder: Mein Umfeld behandelt mich plötzlich wie einen Pflegefall, ich sage nichts, weil ich sie nicht verletzen möchte, aber eigentlich ist mir das zu viel. Oft fragen die Patienten auch, wieviel Zeit ihnen noch bleibt. Für uns Pflegende bedeutet das an erster Stelle gut zuzuhören, zu vermitteln, die Familie mit einzubeziehen und manchmal auch, einfach nur da zu sein.

Bleibt in Ihrem Arbeitsalltag Zeit, wenn schwerkranke Patienten ein persönliches Gespräch suchen?

Ute Rodriguez-Menendez: Ja. Die Zeit muss es einfach geben, sie ist eines der wichtigsten Themen unserer Arbeit und das wird vom Team auch so getragen. Wenn ein Patient ein persönliches Gespräch braucht, dann führen wir es mit ihm. Auch, wenn dann andere Dinge, wie zum Beispiel Dokumentationen oder ähnliches, liegen bleiben oder an die Kollegen weiter gegeben werden müssen.

Sind die Beziehungen zu den Patienten hier anders als auf den übrigen Stationen?

Ute Rodriguez Menendez: Ja. Erste Aufgabe im Palliativbereich ist es, die Beschwerden unserer Patienten soweit zu lindern, dass sie die verbleibende Zeit möglichst symptom- und schmerzfrei verleben können. Oft sind es onkologische Patienten, aber auch andere, unheilbar erkrankte Patienten werden hier versorgt. Viele Patienten kennen wir Pflegende schon über einen längeren Zeitraum. Wir können dadurch umso besser erahnen, was ihnen gut tut.

Wie können Sie Ihren Patienten Kraft geben?

Ute Rodriguez-Menendez: Es gibt vieles, was man den Patienten mitgeben kann. Wichtig ist, immer genau und sensibel zu schauen, wo sie gerade stehen. Wir sind bis zuletzt für unsere Patienten da. Gemeinsam mit den Angehörigen sollten sie besprechen, was ihnen wirklich wichtig ist, was sie noch erledigen möchten oder müssen und wer oder was ihnen dabei helfen kann. Wir ermutigen sie, zu planen und dabei den Faktor Zeit im Auge zu behalten.

Wie schaffen Sie es, mit den oft schweren Schicksalen der onkologischen Patienten umzugehen?

Ute Rodriguez-Menendez: Neben einem stabilen privaten Umfeld, Hobbys und einer positiven Grundhaltung gibt mir die Arbeit sehr viel. Durch die regelmäßigen Aufenthalte der Patienten sind die Beziehungen zwischen ihnen und uns viel intensiver als in anderen Bereichen der Klinik. Und auch bei uns gibt es Raum für „Normalität“. Wir lachen gern auf der Station. Dass tut allen gut!

Ute Rodriguez-Menendez, Stationsleiterin Palliativbereich Petrus-Krankenhaus

Stationsleiterin
Ute Rodriguez-Menendez
Palliativbereich

Petrus-Krankenhaus
Carnaper Straße 48
42283 Wuppertal-Barmen