Fit werden, fit bleiben

Zuversicht kann bei der Heilung helfen

Interview mit dem Autor von „Dieses bescheuerte Herz“

Lars Amend ist Autor des Spiegel-Bestsellerromans „Dieses bescheuerte Herz“. In diesem Buch, das der Life-Coach 2013 schrieb, berichtet er von seiner Freundschaft mit dem schwer herzkranken Daniel. Eine Geschichte, die so wirklich passiert ist. Das Buch wurde 2017 unter dem gleichen Titel verfilmt, mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle. Im Interview mit Vitamin W erzählt Lars Amend, wie er Daniel dabei unterstützt hat, trotz seiner Erkrankung Freude am Leben zu empfinden. Außerdem erklärt er, wie Angehörige mit der Erkrankung von nahe-stehenden Menschen umgehen können.

Wir haben in unseren Krankenhäusern viele Patienten mit schweren, zum Teil unheilbaren Erkrankungen. Können Sie Empfehlungen geben, wie man damit umgehen kann, ohne zu verzweifeln?

Lars Amend: Man sollte mit schlauen Ratschlägen, auch wenn sie noch so gut gemeint sind, stets vorsichtig sein, vor allem, wenn man nicht selbst betroffen ist. Aus meiner Erfahrung mit Daniel, dem schwer herzkranken Jungen, kann ich jedoch sagen, wie wichtig es ist, offen und ehrlich darüber zu reden und nichts zu verheimlichen. Menschen, die einen auf diesem schweren Weg begleiten, sind von unschätzbaren Wert, weil sie dir immer wieder helfen können, dich aus dem Loch der Verzweiflung zu ziehen, wenn du selbst die Kraft dazu nicht hast. Wenn ich nur einen Rat geben dürfte, würde ich wohl sagen: Vergleiche deine aktuelle Situation nicht mit der anderer (gesunder) Menschen und stelle dir auch nicht die Sinnfrage: ‚Warum ich?‘ Lass uns lieber als Team überlegen, was wir heute ganz konkret tun können, um deine Lebensqualität zu verbessern.

Kann Zuversicht bei der Heilung helfen?

Lars Amend: Auf jeden Fall. Ich habe das bei Daniel ja selbst miterlebt. Er war 15 Jahre alt, ohne Hoffnung, ohne Freund-e, ohne Fröhlichkeit. Aus seiner Perspektive gab es keinen Grund mehr zu kämpfen.

Nichts verschieben, was einem wirklich wichtig ist, lautet ein Rat von Bestsellerautor Lars Amend.

Sein Leben war grau, der ganze Spaß war für die anderen reserviert. Für ihn blieb nur der Mist übrig: Krankenhaus, Kinderhospiz, 30 Tabletten am Tag, Ärger in der Schule. Die Ärzte gaben ihm nicht mehr viel Zeit. Wie soll man da seine Selbstheilungskräfte aktivieren? Ich habe zu ihm gesagt: ‚Ich kann dich nicht gesund machen, aber ich kann dafür sorgen, dass wir jeden Tag noch den Spaß unseres Lebens haben.‘ Auf einmal gab es für Daniel wieder einen Grund zu kämpfen, es gab Hoffnung. Heute ist Daniel 22 Jahre alt.

Wie können auch Angehörige besser mit der Erkrankung eines nahestehenden Menschen umgehen?

Lars Amend: Ehrlichkeit ist ganz wichtig, finde ich. Oft zerbrechen langjährige Freundschaften, weil alle Beteiligten Angst haben, etwas falsch zu machen. Der beste Freund wird nicht mehr im Krankenhaus besucht, weil man nicht weiß, was man sagen soll. Eltern lassen die kleine Tochter aus eigener Unsicherheit nicht mehr zur geliebten Oma, die im Sterben liegt. Das finde ich ganz schlimm. Sprich deine Sorgen am Krankenbett eines geliebten Menschen ruhig laut aus: ‚Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin überfordert. Ich hasse diesen Krebs, aber ich liebe dich. Was kann ich tun?‘ Manchmal reichen wenige Worte schon aus, um den Druck aus einer ohnehin schon schweren Situation zu nehmen.

Was können die Angehörigen tun, um bei der Heilung oder auch bei unheilbaren Krankheiten zu unterstützen?

It’s All Good
Kailash Verlag
ISBN: 978-3-424-63183-8

Lars Amend: Ganz wichtig: Menschen, die an schweren lebensbegrenzenden Krankheiten leiden, sind noch nicht tot. Sie leben noch, deswegen sollte der Fokus auch genau auf diesem Aspekt liegen – dem Leben! Ich habe mit Daniel eine Bucketlist (Wunschliste, Anm. d. Redaktion) geschrieben mit all den Dingen, die er vor seinem Tod gerne noch machen würde. Das haben wir dann Schritt für Schritt „abgearbeitet“. Es kann immer geholfen werden. Auf Pallia-tivstationen arbeiten tolle Experten, die sehr kreativ sind, wenn es darum geht, ihren Patienten noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es gibt einen schönen Satz, der heißt: In jedem Tag steckt ein ganzes Leben. Also, einfach mal machen und nicht zu lange darüber nachdenken.

Und noch eine persönliche Frage: Was würden Sie selbst machen, wenn Sie plötzlich von einer schweren Erkrankung betroffen wären?

Lars Amend: Das ist eine hypothetische Frage, die man nicht seriös beantworten kann, aber sie führt zu genau jener Botschaft, die mir persönlich am Herzen liegt: Warte nicht auf bessere Umstände, um aktiv zu werden, sondern beginne heute. Verschiebe die Dinge, die dir wirklich wichtig sind, nicht auf morgen, denn dann ist es vielleicht schon zu spät.